Buch "Von der Dampflok zum ICE"

Nachricht: 150 Jahre Eisenbahnen in Schweden - Ein Besuch in Kristianstad

Im gesamten Jahr 2006 feierten die schwedischen Eisenbahnunternehmen und Eisenbahnfreunde den 150. Jahrestag der Aufnahme des Betriebs auf der ersten schwedischen Eisenbahnverbindung Nora - Ervalla - Örebro (siehe Link unten). Das ganze Jahr über fanden viele Veranstaltungen statt: bei Eisenbahnunternehmen, bei den überraschend vielen und zum Teil schon Jahrzehnte aktiven Museumseisenbahnen, bei anderen staatlichen und privaten Organisationen, bei Modellbahnklubs uvam. Bei Link 2 kann man erste Informationen zum Jubiläum finden (schwedisch, aber auch englisch).

Einige Veranstaltungen fanden auch im Süden des Landes statt. Ziemlich kurzentschlossen hatte der Verfasser ein Hotel und einen Fährplatz gebucht, um mit einem Freund zum Tag der Offenen Tür (wörtlich: Offenes Haus) des Eisenbahnmuseums Kristianstad zu fahren.
Mit der Bahn nach Schweden zu reisen, ist für die Bewohner unserer Region etwas beschwerlich. Der Nachtzug nach Malmö hält zum Zustieg nur in Berlin, an die Fähren in Sassnitz und Rostock besteht nur Anschluss mit dem Bus oder dem Taxi, und der Landweg über Lübeck und Kopenhagen nach Malmö beispielsweise dauert immerhin um die 10 Stunden. Für eine Reise ist daher der Pkw eine Alternative. Über Sassnitz ist man dann in etwas über sieben Stunden in Malmö. Möchte man eher in den Südosten des Landes, hat man noch einen weiteren Zeitvorteil. Auch andere Ziele sind leider nicht ganz so günstig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen wie mit dem Pkw.

Kristianstad ist auch für Nicht-Eisenbahner eine Reise wert. Die Stadt bietet eine Reihe kulturhistorischer Sehenswürdigkeiten und auch Ausflugsziele in der Nähe. Das Städtchen Åhus beispielsweise... aber dazu später. In der Innenstadt gibt es zudem einige Einkaufsmöglichkeiten.

Am Sonnabend, dem 16. September, war der Tag des "Offenen Hauses" im Eisenbahnmuseum am Bahnhof Kristianstad Södra. Eng verbunden mit dem Museum sind die Freunde des Museumsvereins der Ostschonischen Eisenbahnen MfÖSJ (siehe Link 3). Der Fundus des Museums beherbergt eine Reihe von Dokumenten und Sachzeugnissen, aber auch einen großen und sehenswerten Fuhrpark! Ausgestellt waren unter anderem eine Satteltank-Dampflok von 1893 mit Innenzylindern und die Elektrolok der Reihe Du Nr. 109 mit einer Außenverkleidung aus Holz. Von aktiven Bahnunternehmen kamen eine Lok der Reihe Rc von GreenCargo, eine Diesellok, eine weitere Lok der Reihe Rc der SJ mit einem Nachtschnellzugwagen und ein Zug der Reihe X2000. Alle Fahrzeuge konnten von innen besichtigt werden. Die Reisezüge standen auf einem Gleis des Bahnhofs Kristianstad C. Dorthin pendelte ein Triebwagenzug aus Fahrzeugen der Reihen Y6/Y7 mit einem ÜF6-Beiwagen. Jede Menge weiterer Aktivitäten fanden rund um das Eisenbahnmuseum statt. Mit historischen Bussen konnte man durch die Stadt fahren. Eine kleine Dampflok mit einem zierlichen Personenwagen beförderte Besucher und vor allem Kinder über das Gelände. Es gab eine kleine Modellbahnausstellung, die auch in Schweden beliebten Tauschmarktstände, eine Präsentation historischer Personenkraftwagen und Motorräder, die Feuerwehr mit modernen Einsatzfahrzeugen, selbst Pferde eines militärhistorischen Vereins waren unterwegs.

Am Abend wurde noch eine Fahrt mit dem Triebwagenzug in das nahe Åhus durchgeführt. Die Vierachser laufen bemerkenswert gut und sind innen im Stil der Fünfziger, der Jahre der Konstruktion und des Baus der Fahrzeuge, recht bequem ausgerüstet. So war es ein Genuss, die Fahrt durch flache Landschaft und Wälder zu erleben. Der Hafen von Åhus scheint noch einigen Güterverkehr auf der Schiene zu haben, womit die Strecke sicherlich besser unterhalten werden kann als nur durch den Museumsbahnbetrieb.

Was wäre eine Reise zu Eisenbahnzielen ohne Benutzung der Bahn? Also haben wir am darauffolgenden Tag einen Ausflug zum Eisenbahnknoten Hässleholm gemacht. Mit dem Zug, einer "Gumminase" nach Kopenhagen, fährt man 22 Minuten von Kristianstad nach Hässleholm. Auf dem ziemlich großen Bahnhof kann man die X2000-Schnellverkehrszüge von Stockholm nach Malmö beobachten, eine Reihe Regionalzüge, aber auch Güterverkehr. Von der nahegelegenen Straßenbrücke hat man einen Eindruck von der dichten Belegung der Strecke in Richtung Norden.

Der Besuch in unserem nördlichen Nachbarland hat viele Eindrücke bei uns hinterlassen. Der Blick auf eine etwas andere Eisenbahnlandschaft - durchaus mit Parallelen zur Entwicklung in Deutschland, aber auch mit erheblichen Unterschieden nicht nur technischer Art - ist erhellend und sehr empfehlenswert.
Es gibt für die historisch interessierten Technikfreunde eine relativ große Auswahl an verschiedenen musealen Einrichtungen, die in der Saison oder zumindestens zu bestimmten Terminen zum Leben erweckt werden. Eine vorherige Information zu Öffnungszeiten und Veranstaltungen ist sinnvoll. Wenn man einen Sommerurlaub in Schweden plant, sollte man nach aller Möglichkeit schon an einem Freitag anreisen und an einem Sonntag zurückfahren, um zwei mit Erlebnissen vollgestopfte Sonnabende bei kulturellen oder historischen Veranstaltungen zu gewinnen!

Frank Meißner, Dezember 2006

Weitere Informationen:


Triebwagen Y6/Y7 zwischen Kristianstad S und C ... Dampf bewegt... Der Abendzug nach Åhus ... Eine NoHAB in Schweden (Hässleholm) ...

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