Buch "Von der Dampflok zum ICE"

Nachricht: Abriss von Bahnstrecken - Wo der Schneidbrenner regiert

Stillgelegte Bahnstrecken gibt es in der Region Mecklenburgische Seenplatte so einige. Bislang dämmerten die Bahnen so vor sich hin - in Erwartung einer vielleicht späteren Nutzung. Schließlich befinden sie sich in einer ausgemachten Tourismus-Region und angesichts des Klimawandels und der bisher stets verkündeten Notwendigkeit, mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu bekommen, standen die Zeichen für den Erhalt der Strecken gar nicht so schlecht. Doch all diese Vorhaben sind eher Lippenbekenntnisse, als der ehrliche Wunsch, etwas dafür zu tun.
Die Bahn AG beeilt sich, noch schnell vor der Entflechtung der Bahn und der Trennung vom Schienennetz, Kohle zu machen. Und so werden die noch vorhandenen und teilweise stillgelegten Strecken verkauft, egal an wen, Hauptsache, der Preis stimmt.
So traf es im vergangenen Jahr die Strecke Ganzlin-Röbel. Schlimm für den Eisenbahnverein "Hei Na Ganzlin" aus Röbel, denn er ist jetzt mit seiner Sammlung historischer Fahrzeuge vom Bahnnetz abgeschnitten, Sonderfahrten mit Dampf- und Dieselloks somit unmöglich. Obwohl der Verein selbst Interesse bei der DB AG für den Kauf angemeldet hatte und eine Kaufoption besaß, hat die DB einem höher bietenden Unternehmer aus Dranse bei Wittstock den Zuschlag erteilt. Der verschrottete gleich erst einmal einige Fahrzeuge des Eisenbahnvereins und machte unmissverständlich klar, dass er die Strecke abreißen will. Dass Zechs Aussagen ernst zu nehmen sind, beweist die Tatsache, dass auch er es ist, der noch im Dezember 2006 die Bahnstrecke Wittstock-Mirow gekauft hat, um den Abriss vorzunehmen. Die Strecke ist zwar noch nicht entwidmet, aber das ist nur ein formaler Akt. Angesichts der enormen Preisentwicklung beim Stahl kann der neue "Eigentümer" mit zurzeit 18000 Euro je 100 Tonnen Stahlschrott, den jeder Gleiskilometer bringt, rechnen. An den berühmten "Kragen" geht es jetzt auch dem Streckenabschnitt zwischen Rechlin-Nord im Müritzkreis und Mirow. Hier hatte die Gemeinde Rechlin den Kauf angestrebt und auch vollzogen. Ziel war es einst, touristischen Zugbetrieb zur aufstrebenden Südmüritz-Region zu organisieren. Auch die Verlängerung der Regionalbahn-Linie der ODEG zwischen Neustrelitz und Mirow nach Rechlin war im Gespräch. Dazu wurden in einem Leader Projekt Untersuchungen angestellt, die dem Ansinnen durchaus Chancen einräumte. Doch Ende 2005 orientierte sich die Gemeindevertretung um - die Sache sei für Rechlin zu teuer. Man will nun einen Radweg aus der Strecke machen. Nachdem bereits im Bereich des ehemaligen Bahnhofes Rechlin-Nord alles platt gemacht wurde, ist gegenwärtig eine Abrisskolonne der Malchower Firma Ziems unterwegs und baut die Strecke ab.
Einst hat die Eisenbahn den Fortschritt in das Land gebracht und diente über Jahrzehnte der weiteren Entwicklung auch schwach besiedelter Regionen. Mit der voranschreitenden Individualisierung des Verkehrs, fehlerhaftem Management der Bahnverantwortlichen und der Stärkung des Güterverkehrs auf der Straße ist das Ende der Bahn auf dem flachen Lande besiegelt.

Bernd Wüstemann, März 2007

Im einstigen Bahnhof Rechlin-Nord, bis wo die Zubringer-Z?ge zur Luftw... In diesen Wochen ist die Malchower Schrottfirma Ziems dabei, die Strec...

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