Buch "Von der Dampflok zum ICE"

Nachricht: Schmalspurig durch Småland

Wenn es sich irgendwie machen lässt, dann fahre ich im Urlaub mit Museumsbahnen. Einerseits ist es immer ein Erlebnis für die ganze Familie, andererseits wird die Arbeit der Museumsbahner durch unser Fahrgeld unterstützt.
In diesem Jahr fuhr ich mit meiner Familie von Västervik an der Ostküste Schwedens nach Hultsfred. Hier ist eine sehr engagierte Gruppe von Freizeiteisenbahnern aktiv, die einen Teil des einst sehr großen Netzes von 891-mm-Schmalspurbahnen erhalten.
Es ist interessant, die Geschichte der verschiedenen Bahnen im südlichen Schweden zu verfolgen. Teile des Netzes sind auf Normalspur umgestellt worden, viele Verbindungen wurden stillgelegt und abgebaut. Zwischen Västervik und Hultsfred jedoch lässt sich erleben, wie noch vor 30 Jahren der Eisenbahnbetrieb auf den schmalen Gleisen funktionierte.
Immerhin dreimal täglich wird in der Saison die gesamte Verbindung mit einer Länge von 71 km befahren. Teilweise werden Dampfloks eingesetzt. Für Feste werden sehr erfolgreich aufwendige Fahrprogramme abgewickelt, um Besuchern die An- und Abreise mit der Bahn zu ermöglich.
Wir wählten den Mittagszug von Västervik. Dort erwartet uns ein Triebwagen der Reihe YP (bis 1970 YBo5p). Pünktlich setzte er sich in Bewegung, um auf dem Dreischienengleis bis zur Station Jenny zu fahren. Das Normalspurgleis führt von da ab weiter in Richtung Linköping und wird von Regelzügen befahren. Der gemeinsame Betrieb über einige Kilometer setzt voraus, dass der Fahrplan und alle weiteren Regelungen exakt eingehalten werden. Bemerkenswert sind aus diesem Blickwinkel die Dreischienenweiche im Bahnhof Västervik und die Anlagen des Bahnhofs Jenny. In Jenny gibt es zum Beispiel an den Masten des Haupt- und des Vorsignals für die Einfahrt aus Richtung Västervik je zwei Schirme, beschriftet mit (sinngemäß) "gilt für Normalspur" und "gilt für Schmalspur" - ungewöhnlich, aber es funktioniert anscheinend sehr gut.
Der 1954 gebaute Triebwagen ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h zugelassen. Für die Gesamtstrecke sind 1 Stunde und 42 Minuten Fahrzeit geplant, einschließlich einiger Aufenthalte. So ist in Ankarsrum Gelegenheit, Kaffee und Gebäck zu kaufen. Die dafür geplanten 5 Minuten sind natürlich nicht ausreichend, denn die Zimtschnecken sind sehr zu empfehlen! Die Kaffeebecher konnten wir auf der Rückfahrt zurückgeben, selbstverständlich!
Der Fahrplan wurde knapp gehalten. Die Reisegeschwindigkeit von mehr als 40 km/h bedingt recht hohe Streckengeschwindigkeiten. Die Gleislage war entsprechend gut, eine große Leistung der Eisenbahner angesichts der Streckenlänge!
Die Sitze sind für einen Schmalspurtriebwagen mit einer Sitzplatzanordnung 2+2 richtig bequem. So wurden die insgesamt vier Stunden nicht schwer. Unterwegs gab es viel Landschaft zu sehen, Seen, Felsen, Felder, Wälder, Ansiedlungen und einzelne Häuser. Dem Triebwagenführer kann man natürlich auch über die Schulter sehen.
Eine Fahrt auf der Schmalspurbahn zwischen Västervik und Hultsfred ist sehr zu empfehlen!

Frank Meißner, September 2009

Weitere Informationen:


YP 874 in Västervik (11. August 2009)... Weiche in Dreischienengleis in Västervik... YP und Y1 in Hultsfred (11. August 2009)... Schöne Aussicht...

[zurück]